Bomben und Rosen

Gibt man bei Google die Stichworte „Kriegsopfer Frauen“ ein, erhält man 105.000 Hinweise, googelt man „Kriegsopfer Männer“ verzwanzigfacht sich die Zahl.

Nächster Versuch: Bei „Schriftsteller Krieg“ sind es 856.000, bei „Schriftstellerinnen Krieg“ 334.000 Artikel. Krieg wird literarisch meistens aus männlicher Perspektive mit männlichen Akteuren geschildert.

Es sind gerade siebzig Jahre her, dass Hildesheim, das „Nürnberg des Nordens“ zerbombt wurde – ein paar Wochen nach Dresden und zwei Wochen vor der Befreiung. Hier lebten Alte, Zwangsarbeiter, Frauen und Kinder.

Ende März erinnert die Collage „Bomben und Rosen“ von Hans Georg Ruhe an die Zerstörung vom 22. März 1945. Es sind Jugendliche, die das Inferno mit sparsamem Spiel, Requisite und fern jedem Pathos näherbar machen.

Hildesheimer Adaption des Gedichtes „Inventur“ von Günter Eich

Dies ist mein Kind,

dies ist ihr Kleid,

hier ihre Spange

gerettet aus Trümmern.

Die Puppe:

ihr Spielzeug, ihr Trost,

ein Splitter

zerriss ihr den Kopf.

Verbrannt ihr Kleid

im Feuer des März.

Jetzt spürt sie die Kälte

und hungrige Blicke.

In ihrem Korb

ist hartes Brot,

aber nichts sonst,

was sich verbergen ließe.

Er dient ihr

als  Waffe,

wenn jemand das Brot,

die Puppe will.

Das Stück Kreide

schenkte ich ihr.

Tags malt sie auf Trümmer,

was nachts sie erlitten.

Dies ist mein Kind.

Dies ist ihre Puppe.

Dies ist die Stadt

ihrer Kindheit.

Günter Eich hat als Kriegsteilnehmer das berühmte Gedicht „Inventur“ geschrieben – eine kalte Beschreibung dessen, was geblieben ist. In der Collage „Bomben und Rosen“ wird dieser Text durch eine andere Perspektive gekontert. Für Frauen und Kinder ist Hildesheim „die Front“.

Die Aufführungen in der Seminarkirche Hildesheim

22.3.2015 (schulintern für die Albertus-Magnus-Schule Hildesheim), 23.4. und 24.4 – jeweils 18.00 Uhr.

Vorverkauf u.a.: Ameis Buchecke, Andreaspassage Hildesheim und Goschenstraße 31