Hoeneß-Hype

Uli Hoeneß, der gute Mensch der Säbenstraße, hat Millionen Steuern hinterzogen. Er hat sich angezeigt. Er wurde verhaftet. Jetzt schwitzt er im Bett.

Er wälzt sich! Im Bett! Er schwitzt! Das teilt uns „Die Zeit“ in einem langen Dossier mit, in dessen Mittelpunkt der Wurst- und Ballmanager steht. Die Fans sind solidarisch mit dem „liaben Uli“. Die Kanzlerin ist enttäuscht. Die CSU pfeift im Wald. Rummenigge will ihn heiraten (oder so ähnlich). Ich möchte auch etwas zu Uli Hoeneß sagen: Er geht mir am Arsch vorbei.

Hoeneß ist ein sehr guter Mensch. Das ist meine Nachbarin auch.Hoeneß ist sehr erfolgreich. Das ist Paul auch, der schon multiplizieren kann. Hoeneß ist sehr reich. Wie zu viele andere auch. Hoeneß hat sehr betrogen. Wie Sie (und ich vielleicht). Hoeneß war bislang ein sehr großes Vorbild. Wie Max Mähr. Wer? Eben.

Lapidar sagt die sechzehnjährige Fedora im Stern 2.5.: „Normale Oberschichtskriminalität“.

Es ist diese dämliche Dauerpersonalisierung, die uns an den eigentlichen Themen vorbei lotst. Die Thematisierung von skandalösem Reichtum (Gates, Buffett, Winterkorn), verendeter Solidarität, herablassender Verantwortung, Dauerbetrug an der Gesellschaft und zweierlei Maß wird dadurch vermieden. Indem wir den Reichen zum Menschen machen, nehmen wir uns Veränderungskraft.

Wir blicken auf diesen menschlichen Bayern und seine Transpirationstrauer. Dass er vom Adidas-Chef 5.000.000 € Spielgeld zum „Zocken“ (hat er wirklich so gesagt) genommen hat, geht unter. Hallo? Den Schuss nicht gehört?